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Editorial Mozartfest Würzburg 2019

Liebe Musikfreunde!

Zum dritten Mal schmückt eine Collage die Titelseite unseres Festivalprogramms. Ikonen sind darauf zu sehen: Bilder, die ohne Zweifel zum kollektiven Gedächtnis gehören. Da ist zum einen die Sternenhalle der Königin der Nacht, wie sie Karl Friedrich Schinkel 1816 entwirft. Der große Baumeister denkt die Räume der »Zauberflöte« aus dem Geist des Klassizismus, nicht ohne romantische Strömungen seiner Zeit aufzugreifen. Fast zeitgleich entsteht Caspar David Friedrichs auratisches Gemälde »Der Wanderer über dem Nebelmeer«, das übrigens erst im 20. Jahrhundert auftauchte. Dazwischen: Mozart, der von den Romantikern als einer der ihren reklamiert wurde, weil sie ihr Lebensgefühl in einem Teil seiner Musik wiederfanden oder wiederzufinden glaubten. Mozart, ein Romantiker?, lautet das Motto des Mozartfestes 2019. Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber sie öffnet Hörperspektiven, die bestätigen, was die Musikforschung seit längerem umtreibt: Klassik und Romantik kann man als Einheit verstehen. Man muss nicht. Aber es spricht vieles dafür. In diesem Sinn sind die Programme des Mozartfestes 2019 entstanden, wie immer in enger Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern. Es geht um Werke von Mozart, die vielfach als romantisch wahrgenommen wurden, wie die beiden g-Moll-Sinfonien oder das Klavierkonzert Nr. 17 mit seinem harmonisch avancierten langsamen Satz (Pierre-Laurent Aimard wird es spielen). »Don Giovanni« – für das 19. Jahrhundert Mozarts wichtigste Oper – bildet den Ausgangspunkt einer Reihe von Veranstaltungen: Das Original gibt es im Kaisersaal (mit der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner), eine multimediale Collage mit Lillevan – einem Topstar unter den Videokünstlern – im urbanen Ambiente des Bürgerbräu, ein musikalischliterarisches Programm mit Corinna Harfouch in Kloster Bronnbach, eine kindgerechte Version für Familien in der Musikhochschule.

Eine große Rolle im Festivalprogramm spielen Komponisten, die erst allmählich wiederentdeckt werden und mit ihrer Musik zwischen Klassik und Romantik stehen, oder besser: inmitten jener Epoche, die beides umfasst – Dussek, Hummel, Arriaga, Méhul. Und dann gibt es natürlich diejenigen, die aus einer romantisch geprägten Welterfahrung heraus Mozart auf Knien bewundern: Chopin zum Beispiel, Tschaikowski oder das Ehepaar Schumann. Eine Konzertinsel gilt Clara Schumann, deren 200. Geburtstag zu feiern ist und die eine der großen Mozart-Interpretinnen des 19. Jahrhunderts war. Eine Uraufführung gehört dazu: Aribert Reimann, einer der wichtigsten Komponisten unserer Zeit, hat Lieder von Clara für Sopran und Streichquartett bearbeitet.

Kein Zufall, dass der Artiste étoile 2019 ein Sänger ist: Mozarts Kunst, Seelenzustände durch die menschliche Stimme einzufangen, wurde von Komponisten aufgegriffen, die später als Romantiker galten. Der Tenor Julian Prégardien, gefeierter Liedsänger und regelmäßiger Gast an führenden Opernhäusern (insbesondere mit Mozart-Partien), hat fünf exklusive Konzertprojekte vorbereitet und für seinen Abend mit Schuberts »Winterreise« einen seiner Artiste-étoile-Vorgänger eingeladen: Kit Armstrong. Erstmals arbeiten die beiden zusammen. Schuberts Lieder werden mit Klavierwerken Mozarts konfrontiert. Das Lied der Romantik oder auch: das Romantische im Lied (von Mozart bis Alma Mahler) erkunden junge SängerInnen und PianistInnen unter der Leitung des renommierten Liedpianisten Gerold Huber im MozartLabor, das auch in diesem Jahr ein Zentrum des Festivals bildet. Ein Quartett der Kritiker vom Preis der Deutschen Schallplattenkritik wird alte und neue Liedaufnahmen diskutieren. Das Komponistenporträt ist der vielfach ausgezeichneten, gebürtigen Koreanerin Unsuk Chin gewidmet. Gerade wurde sie mit dem Kavis Preis der New Yorker Philharmoniker geehrt. Die Wahl-Berlinerin hat bei György Ligeti gelernt und nennt Mozart als eines ihrer inspirierenden Vorbilder. Ihre Werke erklingen auch im Rahmen des neuen Formats, das wir im vergangenen Jahr überaus erfolgreich eingeführt haben: »Nachklänge im Echoraum«. Ein anderer Abend dieser Reihe kombiniert Anton Bruckners vierte Sinfonie (»Romantische«) mit Luigi Nonos Streichquartett »Fragmente – Stille, An Diotima«. Ein zentrales Instrument der Romantik ist durch zwei Ausnahmesolisten vertreten: Christoph Eß mit Ligetis Hornkonzert und Radovan Vlatković mit Mozarts Hornkonzert. Neu sind Spielstätten, mit denen wir den Radius außerhalb der Stadt größer ziehen: das stilvolle Gut Wöllried in Rottendorf oder St. Michael in Thüngersheim. In Würzburg bespielen wir erstmals das Museum am Dom und die Kilianskapelle im Exerzitienhaus Himmelspforten. Neu ist auch die Kooperation mit dem Podium Festival Esslingen, das seine Expertise für innovative Konzertformate bei der Lounge Amadé im Odeon einbringt.

Viele Weltklasse-Künstler, die das Mozartfest in den letzten Jahren bereichert haben, kommen wieder: Isabelle Faust, Ragna Schirmer,
Kristian Bezuidenhout und Nils Mönkemeyer gehören dazu, Sakari Oramo und Jonathan Nott (erstmals mit seinem Orchestre de la Suisse Romande). Heinz Holliger setzt seinen Schubert-Zyklus fort. Unter denen, die ihr Debüt beim Mozartfest geben, ist Hervé Niquet mit Le Concert Spirituel. Er führt unsere Reihe mit Originalklang-Experten weiter, in der bereits John Eliot Gardiner, Marc Minkowski und René Jacobs zu Gast waren.

Das sind nur einige Highlights eines reichhaltigen Programms, das vom Mozarttag über eine musikalisch-literarische Wanderung bis zur Jupiternacht reicht. Seien Sieherzlich willkommen zum Mozartfest 2019!

 

Evelyn Meining

Intendantin

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